Landtagswahlen 2026: versiegelte Prognose gegen amtliches Ergebnis
Alper ScheelCTO, Living Society
Einen Tag vor der Wahl, am 19.09.2026 um 17:42 Uhr, haben wir die Prognose unserer synthetischen Bevölkerung für die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern und die Abgeordnetenhauswahl in Berlin versiegelt. Danach galt: beobachten, nichts ändern. Inzwischen liegt für Mecklenburg-Vorpommern das endgültige amtliche Ergebnis vor, für Berlin das vorläufige. Hier steht, wie nah die Prognose daran lag, wo sie näher lag als die Umfragen und wo deutlich daneben.
Vorher festgelegt, danach nichts geändert
Eine Prognose, die erst nach der Wahl veröffentlicht wird, belegt nichts. Deshalb stand vor der Wahl fest, woran wir uns messen: die mittlere absolute Abweichung über sieben Parteien, die Rangfolge der ersten drei, der Abstand von Platz 1 zu Platz 2 und die Aussagen zur Fünf-Prozent-Hürde. Als Vergleich dient das Mittel der veröffentlichten Umfragen vom 10. bis 18.09.2026.4
Prognose, Maße und Auswertungsplan haben wir am 19.09.2026 um 17:42 Uhr mit Prüfsummen nach SHA-256 und einem Zeitstempel nach RFC 3161 eines externen Dienstes versiegelt.1 Jede spätere Änderung wäre nachweisbar.
Gemessen wird am amtlichen Ergebnis: in Mecklenburg-Vorpommern am endgültigen,2 in Berlin am vorläufigen.3 Hochrechnungen vom Wahlabend zählen nicht.
Die Werte je Land
Die Grafiken zeigen je Partei drei Werte: das amtliche Ergebnis, das Mittel der Umfragen und unseren versiegelten Wert. Die gestrichelte Linie markiert die Fünf-Prozent-Hürde.
Werte als Tabelle
| Partei | amtlich (endgültig) | Mittel der Umfragen | Living Society, versiegelt |
|---|---|---|---|
| AfD | 38,2 | 36,8 | 40,0 |
| SPD | 35,5 | 33,8 | 32,4 |
| CDU | 4,9 | 6,5 | 9,9 |
| Linke | 6,5 | 10,0 | 7,7 |
| Grüne | 5,7 | 5,3 | 2,9 |
| BSW | 4,8 | 4,0 | 5,0 |
| FDP | 1,0 | 2,0 | 2,2 |
Werte als Tabelle
| Partei | amtlich (vorläufig) | Mittel der Umfragen | Living Society, versiegelt |
|---|---|---|---|
| AfD | 16,3 | 18,0 | 13,6 |
| SPD | 12,1 | 12,0 | 14,5 |
| CDU | 18,8 | 20,0 | 21,1 |
| Linke | 25,7 | 21,3 | 28,7 |
| Grüne | 14,3 | 15,5 | 16,6 |
| BSW | 4,7 | 4,3 | 2,8 |
| FDP | 2,5 | 2,5 | 2,7 |
Berlin: Die Linke lag zwischen den Umfragen und uns
Die veröffentlichten Umfragen sahen in Berlin ein enges Rennen. Im Mittel lag die Linke bei 21,3 Prozent, die CDU bei 20,0. Unsere synthetische Bevölkerung zeigte einen klaren Vorsprung der Linken: 28,7 zu 21,1. Amtlich kam die Linke auf 25,7 Prozent, die CDU auf 18,8.
Beim Anteil der Linken lagen wir damit 3,1 Punkte zu hoch, das Mittel der Umfragen 4,4 Punkte zu niedrig. Den Abstand zwischen Linke und CDU haben wir mit 7,7 Punkten bis auf 0,8 Punkte getroffen. Amtlich waren es 6,9 Punkte, im Mittel der Umfragen 1,3.
Den hohen Wert der Linken hatten wir vor der Wahl im versiegelten Dossier als Vorbehalt ausgewiesen.1 Das amtliche Ergebnis liegt zwischen den Umfragen und unserem Wert, näher an unserem.
Bei den übrigen Parteien lagen wir weiter daneben. AfD, SPD, CDU und Grüne wichen jeweils 2,3 bis 2,6 Punkte ab, die AfD nach unten, die anderen drei nach oben. Platz 3 hatten bei uns die Grünen, amtlich die AfD. BSW und FDP haben wir richtig unter der Hürde gesehen.
Mecklenburg-Vorpommern: Die CDU war der größte Fehler
Platz 1 und 2 stimmten: AfD vor SPD. Den Abstand zwischen beiden haben wir mit 7,6 Punkten deutlich überzeichnet. Amtlich waren es 2,7 Punkte, im Mittel der Umfragen 3,0.
Die CDU lag bei uns bei 9,9 Prozent, amtlich bei 4,9. Sie scheiterte an der Hürde. Eine zu hohe CDU kannten wir aus Tests an früheren Wahlen. In Mecklenburg-Vorpommern blieb sie der größte Fehler. Die SPD lag bei uns 3,1 Punkte zu niedrig, die Grünen 2,8 Punkte. Die Grünen sahen wir mit 2,9 Prozent unter der Hürde, amtlich kamen sie mit 5,7 Prozent in den Landtag.
Beim BSW lagen wir mit 5,0 Prozent 0,2 Punkte über dem amtlichen Wert von 4,8 und hatten den Einzug als offen ausgewiesen.
Was gestimmt hat, was nicht
Gestimmt
- Platz 1 in beiden Ländern.
- Berlin: Vorsprung der Linken vor der CDU, bei uns 7,7 Punkte, amtlich 6,9.
- Berlin: Anteil der Linken näher am Ergebnis als das Mittel der Umfragen.
- Mecklenburg-Vorpommern: BSW auf 0,2 Punkte genau, Einzug als offen ausgewiesen.
- Hürden: 5 von 7 Aussagen richtig.
Nicht gestimmt
- Mecklenburg-Vorpommern: CDU 5,0 Punkte zu hoch, SPD 3,1 und Grüne 2,8 Punkte zu niedrig.
- Mecklenburg-Vorpommern: Grüne unter der Hürde gesehen, Abstand AfD zu SPD mit 7,6 statt 2,7 Punkten.
- Berlin: Linke 3,1 Punkte zu hoch, Platz 3 falsch.
- Über alle sieben Parteien lag das Mittel der Umfragen in beiden Ländern näher am Ergebnis.
Was daraus folgt
Wahlprognosen bieten wir nicht an. Wahlen sind einer der wenigen Fälle, in denen ein amtliches Ergebnis zum Vergleich vorliegt. Deshalb prüfen wir unsere Bevölkerung daran und veröffentlichen die Abweichung, auch wenn die Institute besser lagen.
Zwei Befunde nehmen wir mit. In Berlin zeigte die synthetische Bevölkerung eine Verschiebung zur Linken, die im Mittel der Umfragen fehlte, in der Höhe zu stark. In Mecklenburg-Vorpommern bestätigte sich die bekannte Schwäche bei der CDU. Beides prüfen wir an den nächsten Wahlen, wieder vorher festgelegt und versiegelt.
Wie wir Studien aufbauen, steht unter Methodik. Wie genau synthetische Umfragen sind, erklärt FAQ, Frage 14.
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Quellen und Verweise
- Living Society, Prognose-Dossier Mecklenburg-Vorpommern und Berlin, versiegelt 19.09.2026, 17:42 MESZ (Prüfsummen SHA-256, Zeitstempel RFC 3161, freetsa.org), mit Nachträgen zum amtlichen Ergebnis.
- Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern, Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern, Endgültiges Ergebnis, 2026.
- Landeswahlleiter für Berlin, vorläufiges Ergebnis der Wahl zum Abgeordnetenhaus vom 20.09.2026, abgerufen über wahlrecht.de.
- Veröffentlichte Umfragen vom 10. bis 18.09.2026, Zusammenstellung dawum.de, Abruf 19.09.2026, 17:50 Uhr.
Amtliche Werte abgerufen am 07.10.2026, Umfragewerte am 19.09.2026.